Wirbelsäule
Facettensyndrom.
Ruhe für die Scharniere
Jeder Wirbel ist mit seinen Nachbarn über zwei kleine Gelenke verbunden – die Facettengelenke. Man kann sie sich als die „Scharniere" der Wirbelsäule vorstellen: winzig, aber ständig in Bewegung und deshalb anfällig für Verschleiß. Reagieren diese Scharniere gereizt, entsteht ein Schmerz, den viele nicht sofort zuordnen können. Die gute Nachricht: Das Facettensyndrom lässt sich meist gezielt und ohne Operation beruhigen.
Was hinter dem Facettensyndrom steckt
Beim Facettensyndrom sind die kleinen Wirbelgelenke durch Verschleiß gereizt. Mit den Jahren verlieren Bandscheiben an Höhe, wodurch mehr Last auf den Facettengelenken lastet; die schützende Knorpelschicht nutzt sich ab, das Gelenk wird gereizt und entzündet. Diesen Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke nennt man auch Spondylarthrose (Arthrose der Facettengelenke). Typisch ist ein tief sitzender, belastungsabhängiger Rückenschmerz, der sich beim Zurücklehnen und beim langen Stehen verstärkt und beim Vorbeugen oft nachlässt – am häufigsten im unteren Rücken, an der Lendenwirbelsäule (LWS), seltener an der Halswirbelsäule (HWS).
Warum die genaue Zuordnung so wichtig ist
Rückenschmerz kann viele Ursachen haben, die sich ähnlich anfühlen – Muskelverspannungen, Bandscheiben, das Iliosakralgelenk oder eben die Facettengelenke. Für eine schonende und wirksame Therapie ist deshalb eine exakte Diagnose nötig. Am Anfang stehen das Gespräch und eine gezielte körperliche Untersuchung, bei der wir prüfen, welche Bewegungen den Schmerz auslösen. Bestätigt sich der Verdacht, hilft eine Facettenblockade weiter: Dabei wird das verdächtige Gelenk gezielt und kurzfristig mit einem örtlichen Betäubungsmittel ausgeschaltet. Lässt der Schmerz daraufhin deutlich nach, ist die Schmerzquelle sicher benannt – Diagnose und erste Linderung in einem Arbeitsschritt.
So behandeln wir – Stufe für Stufe
Auch das Facettensyndrom behandeln wir nach der Therapietreppe: erst das Schonendste, Steigerung nur, wenn nötig. Auf der ersten Stufe steht die konservative Therapie mit Krankengymnastik (Physiotherapie), die Bauch- und Rückenmuskeln kräftigt und die Wirbelsäule entlastet, ergänzt um manuelle Verfahren, Wärme und eine bedarfsgerechte Schmerzbehandlung.
Reicht das nicht, folgen gezielte Injektionen an die gereizten Gelenke. Die Facettenblockade, die zunächst der Diagnose dient, wirkt zugleich therapeutisch: Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente beruhigen das Gelenk und unterbrechen die Schmerzspirale, sodass die aktive Therapie wieder greifen kann. Häufig sind dafür mehrere Sitzungen sinnvoll. Wirkt die Blockade zuverlässig, aber nicht dauerhaft, steht mit der Thermodenervierung eine länger anhaltende Folgebehandlung bereit: Die feinen Schmerzfasern am Gelenk werden über eine dünne Sonde gezielt mit Wärme verödet. Wie das funktioniert, beschreiben wir in Kürze auf einer eigenen Seite zur Facettenblockade.
Bleiben die Beschwerden trotz ausgeschöpfter Möglichkeiten bestehen, besprechen wir die nächsten Schritte in Ruhe und in Abstimmung mit spezialisierten Kooperationspartnern. Eine Operation ist beim Facettensyndrom nur selten nötig.
Ablauf und Aufwand
Die Facetteninfiltration führen wir ambulant durch. Der Eingriff erfordert lediglich eine örtliche Betäubung, dauert nur wenige Minuten und wird bildgesteuert exakt an das betroffene Gelenk gesetzt. In der Regel können Sie die Praxis nach kurzer Beobachtungszeit wieder verlassen. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, richtet sich nach Ihrem Befund und Ihrem Ansprechen auf die Behandlung.
„Beim Facettensyndrom ist die größte Kunst, die richtige Schmerzquelle zu finden. Der Rücken tut weh – aber warum? Wenn wir das kleine Gelenk gezielt betäuben und der Schmerz nachlässt, wissen wir, wo wir ansetzen müssen. Das erspart Umwege und macht die Behandlung präzise. Und meistens brauchen wir dafür keine Operation, sondern eine ruhige Hand und einen kräftigen Rücken."
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein Facettensyndrom?
Ein deutlicher Hinweis ist Schmerz, der beim Zurücklehnen und langen Stehen zunimmt und sich beim Vorbeugen oder Hinsetzen bessert. Sicherheit bringt aber erst die Untersuchung – häufig mit einer gezielten Facettenblockade.
Was ist eine Facettenblockade?
Eine bildgesteuerte Injektion an das kleine Wirbelgelenk. Sie klärt zunächst, ob dieses Gelenk der Schmerzauslöser ist, und wirkt zugleich lindernd. Ausführlich beschreiben wir das Verfahren in Kürze auf einer eigenen Seite zur Facettenblockade.
Muss ein Facettensyndrom operiert werden?
Nur selten. Die meisten Betroffenen kommen mit konservativer Therapie und gezielten Injektionen gut zurecht. Erst wenn diese Wege ausgeschöpft sind, besprechen wir weitere Schritte mit Kooperationspartnern.
Kommt der Schmerz wieder?
Das ist möglich, denn der Verschleiß bleibt. Vieles haben Sie aber selbst in der Hand: Ein kräftiger Rumpf, regelmäßige Bewegung und dosierte Belastung halten die kleinen Gelenke ruhiger und senken das Rückfallrisiko.
Ihr nächster Schritt
Ihr Rückenschmerz sitzt tief, verstärkt sich beim Zurücklehnen und Stehen und lässt beim Vorbeugen nach? Dann grenzen wir die Ursache gezielt ein. Vereinbaren Sie einen Termin; wir prüfen, ob die Facettengelenke die Quelle sind, und stellen einen passenden Therapieplan zusammen.