Stoßwellentherapie
Tennisellenbogen.
Wieder kraftvoll zugreifen
Den „Tennisarm" bekommen die wenigsten beim Tennis. Schrauben, Tippen, Tragen, Putzen – es sind meist die tausend kleinen Handgriffe des Alltags, die den Ellenbogen überlasten. Wenn dann schon die Kaffeetasse schwer wird und der Händedruck weh tut, ist die Sorge groß. Sie darf kleiner werden: Der Tennisellenbogen ist gut behandelbar, in aller Regel ohne Operation. Und weil die Hand im Alltag ständig im Einsatz ist und der gereizte Ansatz von allein kaum Ruhe bekommt, lohnt sich ein gezielter Behandlungsimpuls umso mehr.
Was am Ellenbogen passiert
An der Außenseite des Ellenbogens laufen die Sehnen der Unterarmmuskeln zusammen und machen dort am Knochen fest – wie Taue an einem Poller. Wird ihnen immer wieder dieselbe Zugkraft abverlangt, kann der Ansatz gereizt reagieren: Der Tennisellenbogen (Epicondylitis – schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze am Ellenbogen) ist entstanden. Typisch sind Druckschmerz an der Außenseite und Kraftverlust beim Zugreifen. Sitzt der Schmerz an der Innenseite, spricht man übrigens vom „Golferellenbogen" – das Prinzip ist dasselbe, nur der Ort ein anderer.
Erst die Diagnose, dann die Welle
Nicht jeder Ellenbogenschmerz ist ein Tennisarm. Am Anfang stehen deshalb eine gründliche klinische Untersuchung und der Ausschluss anderer Ursachen: Wo genau sitzt der Druckschmerz, welche Bewegungen lösen ihn aus, wie steht es um die Kraft beim Zugreifen? Gerade bei ausstrahlenden Beschwerden gehört auch die Halswirbelsäule in den Blick: Nervenreizungen am Nacken können Schmerzen bis in den Unterarm projizieren und einen Tennisarm vortäuschen. Erst wenn die Diagnose steht, hat die Therapie ein klares Ziel – und die Stoßwelle ihren Platz auf einer frühen, schonenden Stufe der Therapietreppe, bevor invasivere Schritte wie Injektionen überhaupt erwogen werden.
Fokussiert oder radial: die Technik
Beim Tennisellenbogen kommt die Stoßwellentherapie in zwei Varianten zum Einsatz: fokussiert (die Energie bündelt sich punktgenau in der Tiefe) oder radial (die Druckwellen wirken flächiger auf das oberflächennahe Gewebe). Welche Technik zu Ihrem Befund passt, entscheidet sich bei der Untersuchung – der gereizte Sehnenansatz liegt am Ellenbogen ohnehin gut erreichbar direkt unter der Haut. Beide Varianten kommen ohne Eingriff und ohne Medikamente aus.
Wie die Druckwellen wirken
Die energiereichen Druckwellen werden gezielt auf den betroffenen Sehnenansatz gerichtet. Dort regen sie Durchblutung und Stoffwechsel an, was den Heilungsprozess des gereizten Gewebes unterstützen kann. Zugleich kann die kräftige mechanische Stimulation die Schmerzverarbeitung günstig beeinflussen. Kurz gesagt: Die Stoßwelle gibt dem Sehnenansatz den Anstoß – die eigentliche Heilungsarbeit leistet das Gewebe selbst.
Ablauf und Begleittherapie
Die Behandlung erfolgt ambulant in mehreren kurzen Sitzungen; ein Termin dauert insgesamt etwa 10 bis 20 Minuten, eine Betäubung ist in der Regel nicht nötig. Der Applikator wird mit Kontaktgel direkt auf den schmerzhaften Sehnenansatz gesetzt. Danach können Sie den Arm normal bewegen und Ihrem Tag nachgehen. Nach den ersten Sitzungen ziehen wir gemeinsam Bilanz: Wie hat sich der Druckschmerz verändert, was macht die Kraft beim Zugreifen? Daran richtet sich aus, ob und wie es mit der Stoßwelle weitergeht.
Allein gelassen wird der Ellenbogen dabei nicht: Die Stoßwelle lässt sich gut mit Krankengymnastik (Physiotherapie), Dehnungsübungen für die Unterarmmuskulatur und – bei Bedarf – entzündungshemmenden Maßnahmen kombinieren. Ebenso wichtig ist der Blick auf die Auslöser: Wer die immer gleiche Belastung variiert, kleine Pausen einbaut oder den Griff am Werkzeug anpasst, nimmt dem Sehnenansatz dauerhaft Zug ab. Sportlerinnen und Sportler finden Ergänzendes in Kürze auf unserer neuen Seite Sportverletzungen.
„Beim Tennisellenbogen ist Geduld Teil der Therapie. Die Stoßwelle gibt dem gereizten Sehnenansatz einen kräftigen Impuls – die Heilung selbst leistet das Gewebe, und das braucht Zeit. Deshalb kombinieren wir die Behandlung immer mit Übungen für den Unterarm und schauen uns genau an, welche Belastung den Arm überhaupt gereizt hat. Wer an beidem dranbleibt, kommt in vielen Fällen ganz ohne Operation aus."
Häufige Fragen
Muss ein Tennisarm operiert werden?
In den allermeisten Fällen: nein. Der Tennisellenbogen wird zunächst konservativ behandelt; die Stoßwellentherapie ist dabei ein bewährter Baustein. Ein Eingriff wird erst erwogen, wenn die schonenderen Wege konsequent ausgeschöpft sind.
Wie lange dauert es, bis der Tennisarm ausheilt?
Sehnenansätze heilen langsam – rechnen Sie eher in Wochen als in Tagen, bei hartnäckigen Verläufen auch länger. Geduld und konsequente Begleitübungen sind deshalb Teil der Therapie – ein realistischer Zeithorizont gehört für uns zur Beratung dazu. Wie Ihr Ellenbogen anspricht, prüfen wir nach den ersten Sitzungen gemeinsam.
Fokussierte oder radiale Stoßwelle – was ist besser?
Keines von beiden ist pauschal besser. Fokussierte Wellen bündeln die Energie punktgenau in der Tiefe, radiale wirken flächiger auf oberflächennahes Gewebe. Was zu Ihrem Befund passt, legen wir bei der Untersuchung fest.
Was kann ich selbst tun?
Viel. Belastungen variieren, Pausen einbauen, die Unterarmmuskulatur regelmäßig dehnen – und Auslöser wie einen zu festen Griff entschärfen. Welche Übungen für Sie sinnvoll sind, zeigen wir Ihnen anhand Ihres Befunds.
Was kostet die Behandlung?
Die Stoßwellentherapie ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird in der Regel von den privaten Krankenversicherungen erstattet. Vor Behandlungsbeginn informieren wir Sie persönlich über den zu erwartenden Nutzen, den Ablauf und die Kosten. Mehr dazu: die Übersicht Stoßwellentherapie.
Ihr nächster Schritt
Der Ellenbogen meldet sich bei jedem Zugreifen, und von allein wird es nicht besser? Dann lassen Sie uns die Ursache klären. Vereinbaren Sie einen Termin – nach der Untersuchung besprechen wir offen, ob die Stoßwelle für Ihren Arm der richtige Weg ist und welche Übungen dazugehören.