Orthopädische SchmerzTherapie München

Wirbelsäule

Spinalkanal­stenose.

Mehr Raum für die Nerven

Es beginnt oft schleichend: Der Weg zum Bäcker wird zur Etappe, nach ein paar hundert Metern zwingen Rückenschmerz und schwere Beine zu einer Pause. Wer eine solche „Schaufensterkrankheit" des Rückens kennt, denkt schnell an ein Leben mit immer kürzeren Wegen. Das muss nicht sein. Die Spinalkanalstenose ist eine sehr häufige Alterserscheinung der Wirbelsäule – und in den meisten Fällen lässt sie sich gut behandeln, ohne dass gleich operiert werden muss.

Was bei einer Stenose passiert

Der Wirbelkanal ist der knöcherne Tunnel, durch den Rückenmark und Nerven geschützt verlaufen. Bei der Spinalkanalstenose (Einengung des Wirbelkanals) wird dieser Tunnel enger, sodass für die Nervenstrukturen weniger Platz bleibt. Meist steckt kein einzelnes Ereignis dahinter, sondern der ganz normale Verschleiß: Mit den Jahren nutzen sich die kleinen Wirbelgelenke ab, es bilden sich knöcherne Anbauten, Bänder verdicken und Bandscheiben verlieren an Höhe. All das zusammen verringert nach und nach den Raum im Kanal. Am häufigsten betroffen ist die Lendenwirbelsäule (LWS) im unteren Rücken – dann spricht man von einer lumbalen Spinalkanalstenose.

Typische Beschwerden

Kennzeichnend ist ein Muster, das viele Betroffene sofort wiedererkennen: Beim Gehen und Stehen nehmen Rückenschmerzen zu, die oft in ein oder beide Beine ausstrahlen, begleitet von Schwere, Kribbeln oder Taubheit. Die schmerzfreie Gehstrecke wird dabei über die Zeit kürzer. Ebenso typisch ist die Erleichterung beim Vorbeugen oder Hinsetzen – etwa beim Aufstützen auf einen Einkaufswagen oder beim Radfahren. Der Grund ist einfach: In der leichten Beugehaltung öffnet sich der Wirbelkanal ein Stück und die Nerven bekommen wieder mehr Platz. Genau dieses Wechselspiel aus Belastung und Entlastung ist ein wichtiger Hinweis auf die Diagnose.

Die Diagnose als Schlüssel

Für eine schonende und zugleich wirksame Therapie ist eine exakte Diagnose nötig. Am Anfang stehen deshalb ein ausführliches Gespräch und eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung: Wie weit reicht die Gehstrecke, wann bessern sich die Beschwerden, welche Muskeln, Reflexe und Gefühlsqualitäten sind betroffen? Häufig ergibt sich daraus schon ein klares Bild. Zur Sicherung und für die Planung der Behandlung ist eine Kernspintomographie (MRT) das Mittel der Wahl, weil sie die Nerven und die Einengung genau zeigt; sie erfolgt in Kooperation mit spezialisierten radiologischen Partnern. Wichtig ist dabei: Behandelt wird der Mensch mit seinen Beschwerden, nicht allein das Bild. Eine im MRT sichtbare Enge muss nicht zwingend Schmerzen oder eine eingeschränkte Gehstrecke verursachen.

Wann Sie zügig zu uns kommen sollten

Beschwerden, die sich langsam entwickeln, kann man in Ruhe abklären. Rasch untersuchen lassen sollten Sie dagegen zunehmende Lähmungen, ein taubes Gefühl im Genital- oder Gesäßbereich oder Störungen beim Wasserlassen und Stuhlgang. Solche Ausfälle sind selten, sollten aber ohne Umweg untersucht und behandelt werden.

So behandeln wir – Stufe für Stufe

Unsere Behandlung folgt der Therapietreppe: Wir beginnen mit dem Schonendsten und steigern nur, wenn es nötig ist. Ziel ist immer, Gehstrecke, Beweglichkeit und Alltagsmobilität zu erhalten und eine Operation möglichst zu vermeiden.

Auf der ersten Stufe steht die konservative Therapie. Krankengymnastik (Physiotherapie) ist hier besonders wirksam, weil gezielt gekräftigte Rumpf- und Bauchmuskeln die Wirbelsäule stützen und ihr aufrecht mehr Raum verschaffen können. Dazu kommen Übungen, die den Kanal sanft öffnen, eine bedarfsgerechte Schmerzbehandlung und der Rat, in Bewegung zu bleiben – abgestimmt auf das, was gerade guttut.

Reicht das nicht aus, folgen auf der zweiten Stufe gezielte Injektionen. Bei der sakralen epiduralen Infiltrationsbehandlung (caudale epidurale Überflutung) – einer Injektion in den Spinalkanal über eine kleine Öffnung am Kreuzbein – werden entzündungshemmende und abschwellende Medikamente bildgesteuert kontrolliert eingebracht. So lässt sich die Schmerzspirale aus Schwellung, Entzündung und Schmerz unterbrechen und ein Fenster für die aktive Therapie öffnen.

Erst wenn die Beschwerden trotz ausgeschöpfter Möglichkeiten anhalten oder neurologische Ausfälle zunehmen, wird eine Operation erwogen, die dem Nerv im Spinalkanal wieder Platz schafft – dann in enger Abstimmung mit wirbelsäulenchirurgischen Kooperationspartnern. Auch hier gilt: die letzte Stufe erst, wenn die schonenderen wirklich genutzt wurden.

Was Sie selbst beitragen können

Bei der Spinalkanalstenose sind Sie kein passiver Zuschauer. Regelmäßige Bewegung, ein kräftiger Rumpf und das Wissen, welche Haltungen entlasten, wirken der Enge unmittelbar entgegen. Viele Betroffene lernen, ihre Wege bewusster zu planen und Belastungen so zu dosieren, dass die Gehstrecke wieder wächst. Welche Übungen zu Ihrem Befund passen – und welche Sie vorerst weglassen sollten –, zeigen wir Ihnen. Eine eigene Seite zu Rücken- & Nackenschmerzen folgt in Kürze.

„Eine Spinalkanalstenose klingt für viele erst einmal bedrohlich. Aber die Enge im Bild sagt nur wenig darüber aus, wie gut jemand zurechtkommt. Wir setzen zuerst auf Bewegung, auf einen kräftigen Rücken und, wo es nötig ist, auf eine gezielte Injektion an den bedrängten Nerv. Das Ziel ist nicht das perfekte MRT, sondern eine Gehstrecke, mit der Sie Ihren Alltag leben können. Operiert wird erst, wenn wirklich kein schonenderer Weg mehr bleibt."

Dr. med. Jürgen Schwickal-Melotüber den Umgang mit der Enge

Häufige Fragen

Muss eine Spinalkanalstenose operiert werden?

In den meisten Fällen nicht. Viele Betroffene kommen mit konservativer Therapie – Physiotherapie, Bewegung, gezielten Injektionen – über lange Zeit gut zurecht. Eine Operation wird erst erwogen, wenn diese Wege ausgeschöpft sind oder neurologische Ausfälle zunehmen.

Warum kann ich besser Rad fahren als gehen?

Beim Radfahren beugen Sie den Rücken leicht nach vorn. In dieser Haltung öffnet sich der Wirbelkanal ein Stück, die Nerven bekommen mehr Platz – und die Beschwerden lassen nach. Im aufrechten Gang verengt sich der Kanal dagegen.

Wird die Enge mit der Zeit zwangsläufig schlimmer?

Nicht unbedingt. Die Stenose entsteht durch Verschleiß, verläuft aber sehr unterschiedlich. Mit gezielter Therapie und aktiver Mitarbeit bleiben viele Betroffene über Jahre stabil; Beschwerden können sich auch bessern.

Hilft Physiotherapie wirklich bei einer knöchernen Enge?

Die Enge selbst verschwindet dadurch nicht. Aber ein kräftiger, gut geführter Rumpf entlastet die Wirbelsäule, verbessert die Haltung und schafft den Nerven mehr Raum – das lindert die Beschwerden oft deutlich.

Ihr nächster Schritt

Ihre Gehstrecke wird kürzer, die Beine werden beim Gehen schwer, und im Sitzen lässt der Schmerz nach? Dann lohnt sich ein genauer Blick. Vereinbaren Sie einen Termin; wir ordnen Ihre Beschwerden ein und stellen einen Therapieplan zusammen, der Ihre Beweglichkeit erhält.

Termin vereinbaren089 – 201 89 006
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